Blumenthal

Blumenthaler Geschichte kurzgefasst

Das Dorf Blumenthal befindet sich im nördlichen Teil des Banats. Es liegt in etwa 36 km Entfernung von der Großstadt Temeschburg (heute Timisoara – ausgesprochen Timischoara), auf der Fernverkehrsstrasse, die nach Lippa (Lipova) führt. Hier geht die Ebene in eine leicht gewellte Hochebene über, die mit ihren breiten Tälern einen harmonischen Wechsel zu den bewaldeten Hügeln vollzieht. Das Dorf Blumenthal befindet sich heute in Rumänien und wird Masloc (ausgesprochen Maschlok) genannt.



Zeittafel zur Blumenthaler Ortsgeschichte

1769 Ab April wurden in Wien Siedlerfamilien registriert, die auf der Liste (Consignation) der in Blumenthal eingebürgerten Personen im Jahr 1769 zu finden sind. Auf dieser Liste befinden sich 19 Familien mit der Zuwanderung im Jahr 1769. Aber auch Familien, die bis Anfang des Monats Februar1770 auf der Liste der eingebürgerten Personen zu finden sind, waren in Wien schon Monate früher registriert, also auch schon im Jahr 1769. Demzufolge hatten sich 31 Familien auf der für Blumenthal ursprünglich vorgesehene Dorfanlage niedergelassen. Dieser Ort soll sich an einem schönen, sonnenbeschienenen, sanften Abhang vor einer ausgedehnten Wiese befunden haben. Sie ist den Blumenthalern als das Großtal bekannt. Das bezaubernde Panorama dieser üppig blühenden Blumenwiese soll den Ausschlag gegeben haben, das Dorf Blumenthal zu nennen. (Zu der Zeit wurde Tal noch mit th geschrieben). Für diese Entstehungsgeschichte gibt es leider keine schriftlichen Beweise, aber deshalb muss diese Betrachtungsweise nicht unbedingt falsch sein. Es gibt einige Anhaltspunkte, die diese Vermutung zutreffend erscheinen lassen. So zum Beispiel gab es an der Stelle, wo sich die ersten Siedler vermutlich niedergelassen haben, einen überdimensional großen Schwengelbrunnen. Er ist den meisten Blumenthalern als der Großtalbrunnen bekannt. Einen Brunnen in dieser Größe und insbesondere auch in dieser doch recht abgelegenen Lage, hätte, selbst in den besten Wirtschaftsjahren, niemand an dieser Stelle graben lassen. Noch weniger denkbar ist ein solches Unternehmen für die Jahre 1769 -1770, in denen die Gegend ausschließlich aus Wildnis bestand. Dieser Brunnen kann eigentlich nur für Menschen und Tiere einer Dorfanlage errichtet worden sein, so wie dies zur damaligen Zeit üblich war. Für diese Hypothese spricht auch die Tatsache, dass man an dem Abhang, bis in unsere Zeit noch Scherben von Töpfen, Tellern und Krügen finden konnte. Auch ist wohl davon auszugehen, dass die von Generation zu Generation übernommene Geschichte, die lautet: „im Tal der Blumen ließen sie sich nieder“, keine reine Erfindung ist , sondern einen wahren Kern enthält. Darüber hinaus unterstützen weitere Anhaltspunkte diese Vermutung, die im Weiteren beschrieben ist. 1770 Schon mit Beginn der herbstlichen Regenfälle des Jahres 1769 mussten die Siedler enttäuscht erkennen, dass dieser Abhang für die Anlage des Dorfes nicht geeignet war. Der Erdboden ist an dieser Stelle nämlich sehr lehmig und durchweicht recht schnell. Als Folge davon war die Fortbewegung mit dem Pferdewagen deutlich erschwert, da die Räder der Wagen und auch die Pferde tief im Schlamm versanken. Je mehr es dem Winter zuging, mussten die Siedler feststellen, dass in dieser Lage häufig ein sehr heftiger Wind wehte. Kam er aus Norden, wurde die Gegend unwirtlich und kalt. Nach und nach muss es den Erstsiedlern bewusst geworden sein, dass dies nicht der richtige Ort für die Anlage ihres Dorfes sein konnte. Nun sahen sie sich gezwungen, nach einer höher gelegenen Plattform mit festem Boden zu suchen und dafür eine Umzugsgenehmigung zu erhalten. Zirka drei Kilometer von dem Großtal entfernt, fanden sie dann ein höher gelegenes Gelände, ziemlich verwildert mit viel Gestrüpp und Dickicht. Der Umzug auf das neue Gelände muss dann noch im Monat Februar des Jahres 1770 stattgefunden haben. Sie siedelten um und nahmen den schönen Namen „Blumenthal“, der auch in Wien so registriert war, mit. Nur so ist der Name des nun höher gelegenen Dorfes Blumenthal, wo weit und breit kein Tal voller Blumen zu sehen ist, zu erklären. An dieser Stelle ist eine Richtigstellung, bezüglich bisheriger Beschreibungen der Geschichte des Dorfes Blumenthal im Banat angebracht. In allen geschichtlichen Beschreibungen, sowohl rumänische, wie auch ungarische und deutsche, wurde bisher davon ausgegangen, dass unser Dorf Blumenthal schon eine sehr alte Geschichte aufzuweisen hat. Besonders rumänische Geschichtsschreiber behaupten immer wieder, dass Blumenthal schon viele Jahrhunderte vor der Ansiedlung unserer Urahnen existiert haben soll. Diese falsche Darstellung haben leider auch wir in allen deutschen Beschreibungen so übernommen. Hier ist somit eine Klarstellung dringend erforderlich. Richtig ist, dass auf der Schanz (Hutweide) bei Blumenthal, zwischen der Überfahrt bei den sogenannten Kuhständen und der Rundell (kleine awarische Erdenberg), schon sehr früh eine Siedlung gewesen war. Diese Siedlung soll vierzehn Häuser gehabt haben. Zur damaligen Zeit waren die dörflichen Siedlungen eigentlich selten etwas größer. In allen rumänischen und auch in den wenigen ungarischen Beschreibungen findet man heute Blumenthal so beschrieben, als wäre es in früheren Zeiten eine Stadt gewesen. Diese Stadt, soll auch einige Mineralquellen gehabt haben. Demnach wäre das Dorf Blumenthal keine Neusiedlung sondern eine Zusiedlung zu einem schon vorher existierenden Ort. In allen Statistiken der Jahre 1770 und 1771, die heute noch in den Österreichischen Staatsarchiven in Wien einzusehen sind, ist Blumenthal im Jahr 1770 als „Neusiedlung“ eingetragen. Falsch ist die Beschreibung in rumänischen Veröffentlichungen wonach Blumenthal als Erweiterung der schon auf der Schanz existierenden kleinen Siedlung zu betrachten sei. Zur Zeit der Ansiedlung deutscher Kolonisten war die Siedlung auf der Schanz ein unbewohnter Trümmerhaufen! Auch handele es sich bei dieser alten Siedlung um keine Stadt und es gab auch keine Mineralquellen, sowohl im Ort wie auch auf dem Hotter Blumenthals. Diese Siedlung wurde auch nie Blumenthal, Máslak (Maschlak) oder Masloc (Maschlok) genannt. Diese Namen sind erst ab dem Jahr 1769 und später entstanden und sie stehen auch in keiner Verbindung zu den Benennungen der Siedlung auf der Schanz. Außerdem liegt Blumenthal auf einer Plattform gegenüber der Schanz und ist von dieser durch ein kleines Tal getrennt. An der Stelle des heutigen Blumenthal war bei der Ansiedlung deutscher Kolonisten keine Siedlung zu finden, sondern nur eine vollkommen verwilderte Landschaft. Daher ist davon auszugehen, dass die Geschichte des heutigen Dorfes Blumenthal mit dem Jahr 1770 beginnt. Und sie steht in keiner Verbindung mit der Geschichte der kleinen Siedlung, die sich Jahrhunderte davor auf dem Blumenthaler Hotter befunden hat. Es ist zwar richtig, dass die Siedlung auf der Schanz schon im Jahr 1330 in Besitz der Hochadelsfamilie Szeri Posafi war. Diese Siedlung aber gehörte der Burg Szöd, die sich auf dem Gebiet des heutigen Schöndorf befand. Kleine Ortschaften, wie diese auf der Schanz, die zu einem Eigentum gehörten, nannte man damals Oppidum, was soviel wie Landstadt bedeutet. Somit war die alte Siedlung auf der Schanz nur Teil einer sogenannten Landstadt. Dass es die Siedlung auf der Schanz gegeben hat, ist auch in mehreren Beschreibungen bestätigt. So zum Beispiel ist diese Siedlung in den päpstlichen Pfründenlisten (Einkommenslisten) aus den Jahren 1332/1337 mit der Bezeichnung Mahalaka, Makalaka und Mathalaka geführt. Welcher Nationalität die Bewohner dieser Siedlung angehörten, ist nicht zu ermitteln. Man kann aber davon ausgehen, das diese Siedlung zur damaligen Zeit von Menschen katholischen Glaubens bewohnt war, ansonsten wäre sie nicht auf den päpstlichen Pfründenlisten zu finden gewesen. Zur Zeit der Übernahme des Banats durch die Türken (1552), sind die Urbewohner dieser vierzehn Häuser, wie viele andere aus dem Banat auch, geflüchtet. Ab dieser Zeit waren die Häuser immer nur vorübergehend bewohnt und das von Menschen verschiedener Nationalitäten. Klar ist, dass die alte Siedlung auf der Schanz nichts mit der Entstehung der deutschen Siedlung Blumenthal zu tun haben kann. Somit darf diese Siedlung auch nicht mit der Geschichte der, im Jahre 1770 neu angesiedelten Ortschaft Blumenthal in Verbindung gebracht werden. Die „Geschichte des Dorfes Blumenthal im Banat“ hat nichts mit dem zu tun, was auf dem Blumenthaler Hotter in Zeiten vor dem Aufbau der neuen Ortsanlage bestanden hat. Was den Namen des Dorfes, Blumenthal, betrifft ist folgendes zu sagen: · Blumenthal war der erste Name des neu aufgebauten Dorfes. Das heißt, dass es diesen Namen auf der heutigen Lage der Ortschaft, ab der Ansiedlung erst im Jahr 1770 gab. Die Benennung „Blumenthal“ war auch im ersten Gemeindestempel zu finden. In der Mitte des Stempels waren ein Tal und eine Blumenvase mit einem üppigen Blumenstrauß zu sehen. Auch diese symbolische Darstellung kann als ein Zeichen gedeutet werden, wonach sich die ersten Siedler im großen Tal niedergelassen haben. · der heutige ungarische Name des Dorfes ist Máslak (ausgesprochen Maschlak). Um die Jahre 1833 – 1834 findet man im geänderten Gemeindestempel, die Benennung „Virag Völgye“ (Virag = Blume, Völgye = Tal). Dies ist auch ein Beweis dafür, dass die Ungarn den Namen der Ortschaft Blumenthal, in direkter Übersetzung, übernommen hatten. In den Jahren 1874 – 1875 stand, in dem nun schon wieder geänderten Stempel, oben Blumenthal und darunter, etwas kleiner, Máslak. Auf Deutsch bedeutet Máslak soviel wie ein anderer Ort oder Platz. Daher kann diese ungarische Benennung auch ein Hinweis darauf sein, dass die neue Dorfanlage ursprünglich an einem anderen Ort geplant war. · Masloc (ausgesprochen Maschlok) ist der heutige rumänische Name. Die damaligen rumänischen Bewohner des Gebietes hatten mit Sicherheit große Schwierigkeiten den deutschen Namen auszusprechen. Daher nannten sie das Dorf Maslog, wie auf einer Landkarte aus den Jahren 1864 – 1865. Zu bemerken ist, dass Maslog, mit „s“ und nicht mit der rumänischen Form von „sch“ geschrieben wurde. Bei Fibisch hingegen, ist auf derselben Landkarte das rumänische „sch“ genau zu erkennen. In späteren Jahren änderte man die Benennung Maslog auf Masloc, wobei man anscheinend die Endung „loc“ vom ungarischen „lak“ (Maslak) übernommen hat. Das ungarische „lak“ – genau so wie das rumänische „loc“ bedeutet Ort oder Platz. Zu bemerken ist, dass alle drei Benennungen des Dorfes mit Sicherheit erst ab dem Jahr 1770 entstanden sind. Zuerst Blumenthal, später dann Máslak und noch später Masloc. Diese Benennungen stehen in keiner Verbindung zu den oben genannten Namen der alten Siedlung auf der Schanz. 1770 Wurde mit dem Bau der Siedlerhäuser begonnen. Auch der Friedhof wurde an der Stelle, wo er sich heute noch befindet, angelegt. Bis dahin waren die meisten Friedhöfe auf dem Kirchhof zu finden. In dieser Zeit wurden viele Friedhöfe an den Rand der Ortschaften verlegt. Dies geschah insbesondere aus Angst vor Seuchen, aber auch wegen der immer größer gewordenen Ortschaften. 1770 - 1771 Auf dem neu erschlossenen Gebiet für die Dorfanlage Blumenthal entstanden 95 Häuser. Die Anzahl der erbauten Häuser wurde von der zuständigen Vertrauensperson Karl Samuel Neuman Edler von Buchhold, in seinem „Aufsatz“ (Aufzeichnung) am 29.September 1771 der Wiener Regierung gemeldet. In dieser Aufzeichnung befindet sich Blumenthal unter der Rubrik „ganz neu erbaute Ortschaften“. In seinem Aufsatz vom 8. Mai1773 meldet Johann Adam Martin („Calculator“ aus der Temeschburger Administration) den zuständigen Behörden in Wien folgendes: Blumenthal, neu erbaute Ortschaft mit 93 Kolonistenhäuser, eine Schule und ein Wirtshaus. Zeitgleich mit den ersten Familienhäuser wurde auch die Schule erbaut. Die Unterrichtssprache in dieser Volksschule war von Anfang an deutsch. In den Unterrichtsräumen waren sechs und später sieben Klassen untergebracht. 1890 ist das Schulgebäude einem Brand zum Opfer gefallen. Ein Jahr später wurde ein neues, größeres Schulgebäude erbaut, so wie es in der heutigen Zeit noch zu sehen ist. Nachdem die Wiener Hofverwaltung das Banat den Ungarn überlassen hatte, versuchten diese immer wieder die Unterrichtssprache auf ungarisch umzustellen. Das gelang ihnen in Blumenthal aber erst im Jahr 1907. Ab dann nannte man ungarisch die Muttersprache und die wenigen Deutschstunden nannten sie Fremdsprachenunterricht. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde Blumenthal Rumänien zugeteilt und die deutschen Schulen wurden wieder zugelassen. Die Umstellung auf die deutsche Sprache fand bereits im Schuljahr 1918 – 1919 statt. Nachdem Rumänien, im Zweiten Weltkrieg, schon am 23.August 1944 den Übergang von den Westmächten zu den Alliierten vollzogen hatte, verlor die deutsche Bevölkerung alle Rechte. Demzufolge war die Unterrichtssprache in den Schuljahren 1944 /1945 und 1945/1946 rumänisch. In den Schuljahren 1946/1947 und 1947/1948 gab es wieder eine deutsche konfessionelle Schule. Die Kosten wurden von der Gemeinde getragen (der rumänische Staat wollte sich nicht beteiligen). Nach einem neuen Schulgesetz wurden 1948 alle konfessionellen Schulen verboten und es entstand eine staatliche Achtklassenschule, mit deutscher Unterrichtssprache. Im März 1771 entstand die Lokalkuratie Blumenthal mit eigenem Pfarramt. Der erste Pfarrer war Georg Förster. Bis dahin war Blumenthal eine Filiale der Pfarrei Guttenbrunn. Im selben Jahr wurde eine Holzkapelle fertiggestellt, die am 24. August zu Ehren des Apostels Bartholomäus eingeweiht wurde. 1771 - 1772 Entsprechend der Richtlinien der Kaiserin Maria Theresia musste die ärztliche Versorgung von Anfang an sichergestellt werden. Jeder Arzt hatte mehrere Ortschaften zu versorgen. Der Sitz des ersten Arztes soll schon damals in Blumenthal gewesen sein, wobei er auch die Ortschaften Fibisch, Aliosch und Königshof zu betreuen hatte. Es wird vermutet, dass in dieser Zeit Blumenthal auch ein Postamt bekommen hat. Die Matrikelbücher werden eingeführt. 1778 In einer Zeit, in der Kaiserin Maria Theresia strategisch unter Druck geraten und auf die ungarische Armee angewiesen war, nutzten die Ungarn die Gelegenheit, um endgültig Herrscher über das Banat zu werden. Im eigenen Interesse und dem Rat ihres Staatskanzlers Kaunitz folgend, entschied die Kaiserin am 6. Juni 1778, das Banat den Ungarn zu überlassen. Die vereinbarte schrittweise Übergangszeit von zirka 30 Jahre war für die Banater Schwaben wertlos. Der ungarische Adel verstand es, dieses vorteilhafte, erzwungene Geschenk der Wiener Hofkammer geschickt auszunützen 1783 Der dritte große Schwabenzug brachte 16 neue Siedlerfamilien nach Blumenthal. Der blumenthaler Hotter wurde vermessen und in Flure aufgeteilt. Es entstanden drei Flure: Antoni, Wendelin und Johannis. Später kam noch die Überland-Flur dazu. Ein Jahr später erfolgte dann die rechtmäßige Zuteilung der Grundstücke. 1784 Fünf Aussiedlerfamilien aus Greifenthal kamen dazu. Greifenthal war eine Siedlung zwischen Fibisch und Königshof. Sie wurde wegen ihrer ungünstigen Lage und schwerer Raubüberfälle aufgelöst. 1788 Die Blumenthaler Kirche wurde fertiggestellt. Schon 1786 hatten die nun 115 Familien den Neubau einer Kirche beschlossen. Der Schutzpatron der Kirche blieb Apostel Bartholomäus. Deshalb wurde jedes Jahr am Sonntag nach Bartholomäus (24 August) das Kirchweihfest gefeiert. 1814 Der österreichische Kaiser Franz I schenkte am 10. Juni 1814 dem hochberühmten Feldmarschall Karl Philipp Fürst Schwarzenberg, für seine Verdienste im Kampf gegen Napoleon unter anderem die Herrschaft Blumenthal im Banat. Zu der Herrschaft gehörten die Kameralherrschaft Blumenthal, deutsch und walachisch Bentschek, Buzat, Kizdia und Hodosch. Der Wert wurde damals auf 500.000 Fl. Geschätzt. Am 01. Februar 1815 kaufte der Fürst auch noch das Gut Fibisch, welches auf 211.412 Fl. geschätzt wurde. Nach einem Brand wurde der Kirchturm in der Form erbaut, wie er heute noch zu sehen ist. Der Bau wurde ermöglicht durch eine Spende des Fürsten Schwarzenberg, der zur damaligen Zeit Besitzer der Herrschaft Blumenthal war. 1820 Der letzte größere Zustrom von Siedler ins Banat fand mit Menschen aus Böhmen statt. Mit dabei waren Tschechen und Slowaken, die aber schon als Deutsche anerkannt waren. Im Rahmen dieser Umsiedlung ließen sich auch einige Familien in Blumenthal nieder. 1853 Die Turmuhr der Blumenthaler Kirche wurde aus Beiträgen der Glaubensgemeinde gekauft und eingebaut. 1861 Weitere Spenden der Glaubensgemeinde führten zur Anschaffung der Orgel. 1880 Das Pfarrhaus mit Wirtschaftsgebäuden wurde erbaut. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Pfarrer seine Unterkunft im Schulhaus. 1888 Das Gemeindehaus wurde erbaut und acht Jahre später erweitert. 1899 wurde das Genossenschaftshaus erbaut. Im Jahr 1913 wurde in diesem Haus eine Raiffeisengenossenschaft mit unbeschränkter Haftung gegründet. 1897 Die Zugverbindung Temeschburg – Lippa wurde für den Verkehr freigegeben. Im selben Jahr wurde auch der Bahnhof auf dem blumenthaler Hotter fertiggestellt. Dass der Bahnhof viel näher zu Königshof als zu Blumenthal erbaut wurde, hatte der damalige königshofer Herrschaftsbesitzer Gergely durch seine guten Beziehungen im Budapester Parlament erreicht. Man hatte sich zu der Änderung des Originalplanes entschieden, nachdem Gergely alle Schlipper für die Gleisbettung von Fibisch bis zum Blumenthaler Bahnhof gespendet hat. Ursprünglich war der Gleisverlauf von Fibisch über die Schanz, dicht am Ende des Dorfes vorüber, zum Lippaer Kreuz hin, geplant. In diesem Umkreis sollte auch der Blumenthaler Bahnhof entstehen. Die Uneinigkeit über den Standort des Bahnhofes nutzte Gergely aus. Die Blumenthaler hatten nun ihren Bahnhof auf dem eigenen Hotter, aber er lag drei Kilometer vom Dorf entfernt. Königshof aber war nach weniger als einem Kilometer zu erreichen. Daher auch der Name des Bahnhofs „Remetea Micâ“. 1900 Am 2. Februar wurde der „römisch – katholische Leichenverein zu Blumenthal“ gegründet. Diesem Verein schlossen sich damals auch die römisch – katholische Pfarrei Königshof und die Katholiken aus Fibisch an. Ein Leichenwagen wurde gekauft. Gleich neben dem Friedhofseingang wurde dafür einen Schuppen gebaut. 1902 Es kam zur Gründung des „Blumenthaler Bauernvereins“. Einen besonderen Beitrag leistete der Verein in der Zeit als Peter Lammesfeld (Lehrer in Blumenthal von 1908 bis 1914) aktiv dabei war. Am 25. August fand die Einweihung der Friedhofskapelle statt. Sie ist eine Stiftung der Familie Stefan Schmidt. 1903 Die erste Apotheke baute Herr Jakabfi im Haus Nr. 150 (Fam.Schiller/Ihm) auf. 1907 Der „Blumenthaler Jugendchor“ wurde gegründet. 1911 Mit einer Spende von Georg und Rosalia Fischer, die kurz zuvor ihren Sohn verloren hatten, wurde die Dreifaltigkeitssäule von Stefan Barth erbaut. 1914 Am ersten August hat Österreich den Beginn des ersten Weltkrieges bekannt gegeben. Aus Blumenthal mussten damals 182 Männer den Wehrdienst bei der ungarischen Armee antreten. Im ersten Weltkrieg waren 37 Männer gestorben (Gefallen, Vermisst, in Gefangenschaft oder an den Kriegsfolgen). 1916 Alle vier Glocken der Blumenthaler Kirche wurden, nach einem Beschluss der ungarischen Regierung, abmontiert und als Rohstoff für den Kanonenbau verwendet. 1920 Am vierten Juni kam es zu dem Friedensvertrag von Trianon, bei dem die Ungarn die Aufteilung des Banats anerkennen mussten. Demzufolge befindet sich Blumenthal heute im rumänischen Teil des Banats. Die rumänische Regierung erließ eine Agrarreform. Dadurch wurden alle Großgrundbesitzer, die nicht im Land wohnten, enteignet. Der damalige Herrschaftseigentümer Graf Wimpfen lebte im Ausland. Er verlor seinen gesamten Grund- und Waldbesitz. Es blieben ihm nur das Verwaltungsgebäude und die Mühle. Die Mühle wurde 1928 zerstört und der Mühlenhof an Familie Seiler und Unterweger verkauft. Das Verwaltungsgebäude wurde 1929 an Familie Wilz aus Fibisch verkauft. Der „römisch - katholische Jugendverein“ wurde gegründet und kurz darauf auch der „römisch–katholische Mädchenkranz“. Die beiden Vereine schließen sich später zusammen. Mit Unterstützung der Lehrer und des Pfarrers haben sie fast jeden Sonntag Unterhaltungsprogramme veranstaltet. Das Ende des Vereins kam 1938, als die Jugendlichen, ob freiwillig oder auch nicht, der „Deutschen Jugend“ beigetreten sind. Es kam zur Errichtung des Kriegerdenkmals mit der Inschrift: „Kriegerdenkmal von 1914 – 1918. Zur Erinnerung an die Zeit, so reich an Opfer und Leid“. Spender waren Josef und Anna Waldmann, Philip und Susanne Them, Johann und Theresia Werner, Peter und Margaretha Waldmann. Der Aufbau fand unter Mitwirkung der Gemeinde statt. Die Baumschule unterhalb des Leichenwagenschuppens wurde aufgelöst und der Friedhof erweitert. 1921 Ein „Männer Gesangverein“ wurde gegründet. Dirigent war Lehrer Anton Zuber. 1923 Die Zweihundert–Jahr–Feier der Ansiedlung der Deutschen im Banat wird am 28.September 1923 in Temeschburg gefeiert. Zahlreiche Blumenthaler nehmen an der euphorischen Geburtstagsfeier teil. 1924 Mit einer Spende von Eva und Elisa Weiss bekam die Kirche die große Glocke (Gewicht: 208 kg). Ein Jahr später spendete Familie Teubl eine weitere Glocke (141 kg). Die kleine Glocke (12 kg) wurde durch Spenden der Blumenthaler Gläubigen finanziert. Ursprünglich hatte die Kirche vier Glocken. 1926 Die „Elektrizitäts Aktiengesselschaft“ wurde gegründet. Sie war aber schon nach vier Jahren Pleite. Das musste so kommen, da ein Dampfkessel einer alten Lokomotive, anstatt eines richtigen Benzinmotors, gekauft wurde. Elektrischen Strom gab es in Blumenthal, wie in den meisten Dörfern des Banats, erst nach dem zweiten Weltkrieg. 1930 Der erste Kindergarten wurde gegründet. Es war eine Privatinitiative von Frau Tutkovic. Dieser endete ohne Ersatz nach drei Jahren. Im Jahre 1941 kam es dann zur Gründung des Erntekindergartens, der aber 1944 wieder aufgelöst wurde. Erst nachdem Arbeitsplätze in der staatlichen Landwirtschaft und der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften entstanden sind, gab es wieder einen Kindergarten. 1932 Am 25. September fand in Blumenthal die Fahnenweihe des Deutsch – schwäbischen Männergesangsverein statt. Im selben Jahr soll auch der Bauernverein Blumenthal gegründet worden sein. 1935 Es entstand die Säule zum Gedenken an den heiligen Wendelein, Schutzpatron der Tiere. Der Standort der Säule, bei der Ausfahrt nach Königshof, war mit Absicht in der Nähe der Schanz gewählt, da man die Tierherden nahe zutreiben konnte. Der Friedhof bekam einen Rohrbrunnen, mit dem das Wasser für die Pflege der Gräber sichergestellt werden sollte. 1936 wurde im Genossenschaftshof eine Milchhalle eröffnet. Dies nachdem in Temeschburg 1928 der "Verband Deutscher Genossenschaften" und 1934 die Warenzentrale "Banater Agraria" gegründet wurden. Die Milchhalle-Vereinigung hatte rund 250 Mitglieder, mit bezahlten Anteilen oder Anteilsverrechnung in Milch. Abnehmer waren Schweinezüchter und die Temeschburger Butterfabrik. 1942 Die Blumenthaler Kirche wurde mit Dachziegeln gedeckt. Bis dahin hatte sie ein Schindeldach. 1943 Zwischenstaatliches Abkommen über die Einreihung rumänischer Staatsbürger deutscher Nationalität in die Deutsche Wehrmacht. Männer im Alter von 17 bis 35 Jahren mussten ihren Dienst bei der Deutschen Wehrmacht und Waffen SS antreten. Man nannte sie damals „die Freiwilligen“. Am Zweiten Weltkrieg waren aus Blumenthal154 Männer beteiligt. Davon waren bei der Deutschen Wehrmacht und Waffen SS 120 Männer, wovon nur fünf sich als Freiwillige gemeldet haben. Beim rumänischen Militär dienten 34 Männer. Im Krieg gefallen oder vermisst waren bei den deutschen Einheiten 32 Männer und bei den rumänischen 20 Männer. 1944 Am 23. August vollzog Rumänien den Übergang von den Westmächten zu den Alliierten. Sie ließen Marschall Antonescu verhaften und erklärten dem deutschen Reich den Krieg. Als Folge verlor die deutsche Bevölkerung in Rumänien für einige Jahre alle Rechte, auch das Wahlrecht. 1945 Am 15. Januar begann die Zwangsverschleppung der Dorfbewohner. Es wurden Frauen der Geburtsjahre 1914 – 1926 und Männer der Geburtsjahre 1900 – 1927 zur Zwangsarbeit nach Russland deportiert. Insgesamt waren 182 Personen verschleppt. Bei den Zwangsarbeiten in Russland sind neun Frauen und dreizehn Männer verstorben. Einer davon nach seiner Heimkehr. Es kam zur Enteignung der deutschen Bevölkerung. Felder, Weingärten, landwirtschaftliche Geräte, sowie die dazugehörenden Arbeitstiere wurden – auf der Grundlage einer von der rumänischen Regierung eiligst herausgegebenen Agrarreform - kurzfristig angesiedelten Kolonisten zugeteilt. 1949 Die landwirtschaftliche Staatswirtschaft wurde gegründet und ihr wurden anfangs 1314 Hektar Ackerland zugeteilt. 1950 Am 27. August wurde die Landwirtschaftliche Produktions-Genossenschaft gegründet. Umgangsprachlich wurde diese einfach „Kollektiv“ genannt. 1953 Am 8. Mai wurde eine organisierte Feuerwehr gegründet. Soweit die Erinnerungen reichen, hatte Blumenthal aber schon immer eine Feuerwehrpumpe. Eine doppelseitige Feuerwehrpumpe gab es aber erst ab dem Jahr 1900. Die Pumpe war in einem Schuppen im Hinterhof des Gemeindehauses untergebracht. Im Jahr 1960 wurde eine geräumige Feuerwehrremise, mit einem geräumigen Turm, an derselben Stelle erbaut. 1989 Temeschburger Volksaufstand löst politischen Umsturz in Rumänien aus. Grenzöffnung: 25000 Banater Schwaben stellen Ausreiseanträge. Gründung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien. (DFDR) 1996 Es leben noch 19 Personen mit deutscher Nationalität in Blumenthal.

Blumenthaler Kreuze

Obwohl die Jahre ihrer Anfertigung nicht bekannt sind, sollen hier doch auch die Kreuze, die sich auf der Blumenthaler Gemarkung befinden, erwähnt werden: · Das vermutlich älteste Kreuz befindet sich am Kreuzberg, einige Kilometer vom Dorf entfernt, neben dem Fahrweg nach Charlottenburg. Es ist eine Stiftung der Familie Fidel Prinz. · Etwa zehn Meter vor dem Kircheneingang steht ein Kreuz. Der Stifter ist nicht bekannt. Ältere Blumenthaler meinen, dass es Familie Stefan Schmidt gewesen sein könnte. · Das bekannteste Kreuz ist das Lippaer oder auch Alioscher Kreuz genannt. Es befindet sich einige hundert Meter vom Dorf entfernt auf der Fernverkehrsstrasse nach Lippa. Stifter war Familie Simon. · Am Ende der Schanz, an der Landstrasse nach Königshof, befindet sich ein Kreuz, dessen Stifter Georg und Regina Wild (Regibas) waren. · Bei der Dorfeinfahrt, von Temeschburg kommend, befindet sich das sogenannte Fibischer Kreuz. Es war eine Stiftung der Familie Nikolaus Schmidt. · Bei der Ausfahrt in Richtung Arad befindet sich das Arader, auch Fiskuter Kreuz genannt. Es handelt sich um eine Stiftung der Familie Christian Weiß. Deutsche Einwohner Blumenthals im Laufe der Zeit 1771 – 346 Einwohner laut Einwanderungsstatistiken 1777 – 397 lt. Einwohnerstatistik 1792 – 672 lt. Eintragungen des Pfarramtes 1820 – 850 lt. Eintragungen des Pfarramtes 1836 – 1107 lt. Katholischer Normalschule in Temeschburg von A.P.Petri. 1930 – 1143 lt. Volkszählung des Königreiches Großrumänien. 1940 – 1173 lt. Zählung der deutschen Volksgruppe in Rumänien. 1950 – 942 infolge der Verluste im zweiten Weltkrieg und der Deportation. 1960 – 982 infolge der veränderten Lebensbedingungen. 1970 – 923 nach Auswanderung in die Städte und ins Ausland. 1980 – 764 nach Auswanderung, insbesondere in die BRD. 1985 – 448 nach Auswanderung in die Bundesrepublik Deutschland. 1989 – 208 nach Auswanderung in die Bundesrepublik Deutschland. 1992 waren bei der Volkszählung in Blumenthal insgesamt 836 Einwohner: · 33 Deutsche (meist ältere Menschen) · 694 Rumänen · 19 Ungarn · 8 Roma · 3 Jugoslaven · 79 Sonstige Bei dieser Volkszählung haben sich nur acht Personen als Roma gemeldet. Tatsächlich lebten schon 40 Roma Familien im Dorf, so die Aussage des damaligen Bürgermeisters von Blumenthal – Masloc (Maschlok). So, oder so ähnlich sah es zu derzeit in den meisten deutschen oder gemischten Dörfern aus. (nach einer Vorlage von Peter Mildenberger)